hypothetisches philosophieren

18. Juni 2009 von Oliver \ 1 Kommentar \

Während Sven sich gerade täglich bei unserem Schuhmacher in Oldenburg rumtreibt und Materialien checkt, will ich mal hypothetisch ein paar “produktions-philosophische” Gedanken zu unserer Marke in Worte fassen.

Je mehr wir im Moment mit dem “Schuhmachen” zu zun haben, desto interessanter wird das Thema handgefertigte Sneaker für uns. Unsere Kritik an großen Sneaker Marken ist ja gerade die teilweise immer schlechter werdende Qualität bei nach wie vor hohem Preis. Vor einiger Zeit hat Hikmet von Solebox in einem Sneaker-Bericht auf Galileo beispielhaft gezeigt, welcher Unterschied allein zwischen Original und Retro-Neuauflage hinsichtlich Verarbeitungsqualität liegt.

Statt in überzeugende Produkte zu investieren, fließt das Geld in Werbung und den Ausbau des Images, das letztendlich die große Differenz zwischen Herstellungskosten und Verkaufspreis erst ermöglicht.

Wenn man sich mal zu Gemüte führt, dass der EK eines Sneakers zum Teil unter einem Viertel (je nach Marke) des Verkaufspreises liegt und Hersteller, Großhändler sowie Werbeagentur an diesem Viertel verdienen wird schnell deutlich, dass für den Schuh an sich nicht wirklich viel übrig bleibt. Parallel dazu sind die Einkaufspreise von High-End Marken und limitierten Modellen extrem hoch, der Shop verdient kaum was am Produkt, doch die Modelle werden trotzdem günstig in China etc. produziert.

Der Schritt in Richtung Handfertigung (in Deutschland versteht sich) wäre aus unserer Sicht deshalb die logische Konsequenz – ihr gegenüber steht jedoch nach wie vor der extrem hohe Preis. Neben Schuhen, die ausschließlich handgefertigt werden, könnte es andere Modelle geben, die (Beispiel Lunge) in kleinen Auflagen, hochwertig in Deutschland produziert werden.

Um die Spanne zwischen Herstellungspreis und Verkaufspreis zu verringern: keine Ausgaben für Agenturen, keine Ausgaben für Großhändler und ausschließlicher Online-Verkauf in Kombination mit dem Verkauf in wenigen Shops, die dazu bereit sind, nicht so viel am Produkt zu verdienen. Außerdem sollten sie zu uns passen.

Zufälligerweise schickte uns gerade gestern Julius eine Mail, in der er uns auf das “Betriebssystem Premium” von Premium Cola aufmerksam machte. Für einen schnellen Einstieg empfehle ich diesen Brand Eins Artikel. Schaut man sich die Ideen dahinter genauer an, gibt es einige Parallelen zu unserem Vorhaben und vor allem viele Ansätze, die manche unserer Probleme lösen könnten. Das Risiko für Partner-Shops, auf Produkten sitzen zu bleiben könnte z.B dadurch minimiert werden, dass Kunden ihr Interesse schon im Vorhinein über die Website kommunizieren. Wer den Schuh z.B. nicht online kaufen will sondern im Shop seiner Stadt erst anprobieren will,  schickt uns eine Anfrage mit Größe und Wohnort. Damit wäre eine relativ genau Disposition auf jeden Fall möglich.

Ich finde das Premium-Konzept sehr interessant. Wenn man nur ein bisschen versucht, anderen am Produktverkauf beteiligten Parteien das Leben nicht unnötig schwerer zu machen (durch z.B. Mindestabnahmen für Shops,  Rabatte & Preisdumping, … ) hat im Endeffekt jeder was davon. Bis auf die Werbe- und PR-Agenturen natürlich :-)

Dennoch müssen wir im Moment auch ein bisschen darauf achten, dass wir den Focus nicht verlieren. Schließlich studieren wir Mediendesign und nicht BWL …

1 Kommentar »

  1. Severin am 19. Juni 2009:

    EKS unter einem Viertel. Davon habe ich wirklich noch nie etwas gehört, dass ist wirklich eine extrem krasse und unübliche Spanne.

    Deine Überlegungen finde ich übrigens richtig spannend, wenn du noch einen Schritt weitergehst und Maßsneaker anbieten möchtest. Ich hatte vor zwei Stunden wieder einen Kunden da, der deutlich unterschiedlich lange Füße (5mm Unterschied) hatte.

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